Historischer Sonderfall
Schellack-Platten (78er): Vorsicht, Sonderfall
Warum diese historischen Platten einen ganz eigenen, behutsamen Umgang verdienen.
Wer bei einem Flohmarkt- oder Erbstückfund auf alte Schellackplatten mit 78 Umdrehungen pro Minute stößt, sollte diese nicht einfach wie moderne Vinyl-Schallplatten behandeln. Schellackplatten stammen aus einer früheren Ära der Tonträgergeschichte und unterscheiden sich sowohl im Material als auch in der Abspieltechnik deutlich vom heute verbreiteten Vinyl. Dieser Ratgeber erklärt, worauf Sie bei diesem historischen Sonderfall besonders achten sollten.
Wichtig vorab: Nicht jeder aktuelle Plattenspieler ist für Schellackplatten geeignet — prüfen Sie deshalb vor dem ersten Abspielversuch genau, ob Ihr Gerät die passende Geschwindigkeit und ein geeignetes Tonabnehmersystem bietet.
Ein anderes, spröderes Material
Schellackplatten bestehen aus einem deutlich spröderen Material als moderne Vinyl-Langspielplatten und sind dadurch empfindlicher gegenüber Stößen und Stürzen. Ein Sturz, den eine moderne Vinylplatte meist unbeschadet übersteht, kann bei einer Schellackplatte zu einem Bruch führen. Transportieren und lagern Sie diese Platten deshalb besonders vorsichtig und möglichst separat von Ihrer übrigen Sammlung.
Die richtige Geschwindigkeit: 78 Umdrehungen pro Minute
Anders als die heute üblichen 33 und 45 Umdrehungen pro Minute laufen Schellackplatten mit 78 Umdrehungen pro Minute. Nicht jeder moderne Plattenspieler bietet diese dritte Geschwindigkeit an — prüfen Sie deshalb vor dem Kauf eines Geräts gezielt, ob eine 78er-Option vorhanden ist, falls Sie Schellackplatten abspielen möchten. Modelle aus unserer Kategorie Koffer- & Retro-Modelle bieten diese dritte Geschwindigkeit häufiger als reine Einsteigermodelle.
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Preis auf Amazon prüfenAndere Rillenmaße, anderer Nadelbedarf
Neben der Geschwindigkeit unterscheiden sich Schellackplatten häufig auch in den Rillenmaßen von modernen Vinyl-Platten. Ob Ihr vorhandenes Tonabnehmersystem für Schellackplatten geeignet ist, oder ob dafür ein spezielles System nötig wäre, sollten Sie im Zweifel anhand der Herstellerangaben zu Ihrem Tonabnehmer klären, statt es einfach auszuprobieren und dabei möglicherweise sowohl Nadel als auch Platte zu belasten. Mehr zu Verschleiß und Wechselzeitpunkt lesen Sie in unserem Ratgeber Nadel & Tonabnehmer: Wann wechseln?.
Warum sich der genaue Blick vor dem Kauf lohnt
Da Schellackplatten meist deutlich älter sind als klassische Vinyl-Fundstücke, lohnt sich vor dem Kauf oder ersten Abspielen ein besonders genauer Blick auf sichtbare Risse, abgeplatzte Randstücke oder ungewöhnlich starke Abnutzung. Anders als bei modernem Vinyl kann ein Riss bei Schellack schnell zum vollständigen Bruch führen, sobald die Platte unter Belastung gerät — etwa durch den Druck der Nadel beim Abspielen.
Behutsame Reinigung vor dem ersten Abspielen
Auch bei der Reinigung gilt bei Schellackplatten besondere Vorsicht: Verwenden Sie nur trockene, weiche Hilfsmittel wie eine antistatische Bürste und vermeiden Sie aggressive Nassreinigungsmethoden, die für modernes Vinyl gedacht sind, ohne vorherige Prüfung, ob sie für das ältere Material überhaupt geeignet sind. Im Zweifel gilt: lieber vorsichtiger und trockener reinigen als riskieren, die historische Platte zu beschädigen.
Aufbewahrung mit zusätzlicher Sorgfalt
Da Schellackplatten bruchempfindlicher sind als modernes Vinyl, sollten Sie beim Lagern besonders auf einen stabilen Stand und ausreichend Abstand zu anderen Gegenständen achten, die versehentlich dagegenstoßen könnten. Die allgemeinen Grundsätze zur stehenden Lagerung aus unserem Ratgeber Schallplatten richtig lagern und pflegen gelten hier umso mehr.
Digitalisieren als schonende Ergänzung
Wer eine besonders seltene oder wertvolle Schellackplatte besitzt, kann überlegen, sie einmalig zu digitalisieren, um sie danach im Alltag seltener physisch abspielen zu müssen. Manche Plattenspieler bieten dafür einen eingebauten USB-Ausgang — prüfen Sie vorab jedoch, ob das jeweilige Gerät neben der digitalen Aufnahmefunktion auch tatsächlich die für Schellackplatten nötige 78er-Geschwindigkeit unterstützt.
Eine solche digitale Sicherungskopie ersetzt zwar nicht das besondere Hörerlebnis des Originals, reduziert aber den mechanischen Verschleiß, der bei jedem weiteren Abspielen entsteht, und ist besonders bei einzigartigen, nicht neu erhältlichen Aufnahmen eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.
Ein Fall für Liebhaber und Sammler
Für die meisten Hörerinnen und Hörer, die sich vorrangig für aktuelle Musik auf modernem Vinyl interessieren, spielt der Sonderfall Schellackplatte im Alltag kaum eine Rolle. Für Sammlerinnen und Sammler mit Interesse an der frühen Tonträgergeschichte sind 78er-Platten dagegen ein spannendes, aber eben auch anspruchsvolleres Sammelgebiet, das entsprechend behutsamen Umgang verdient.
Fazit: Alte Technik verdient neue Vorsicht
Schellackplatten sind ein faszinierendes Stück Musikgeschichte, das sich technisch und materiell deutlich von modernem Vinyl unterscheidet. Wer sich für dieses Sammelgebiet interessiert, sollte vorab prüfen, ob der eigene Plattenspieler die passende Geschwindigkeit und ein geeignetes Tonabnehmersystem bietet, und im Umgang mit den Platten selbst besondere Sorgfalt walten lassen.